Veröffentlicht von Martin Völcker am Do., 11. Jun. 2020 19:25 Uhr

Hier können Sie das Wort zum Tag vom 12.6.2020 nachlesen. Thema: Der dreieinige Gott: ein „Ort“ der Gemeinschaft!

TELEFONANDACHT 12.6.2020 | SWEN SCHÖNHEIT

Lob, Ehr und Preis sei Gott dem Vater und dem Sohne und Gott dem Heilgen Geist im höchsten Himmelsthrone, ihm, dem dreiein’gen Gott, wie es im Anfang war und ist und bleiben wird so jetzt und immerdar.

Hinter uns liegt der Sonntag Trinitatis: Das Fest des dreieinigen Gottes. Damit enden die großen christlichen Feiertage im ersten Halbjahr. Trinitatis ... „Ehre seit dem dreieinigen Gott!“ Doch genau hier beginnen die Schwierigkeiten. Wie sollen wir uns das vorstellen: „Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist – drei Personen und doch eins“?

Als Gottesdienstbesucher sind wir an diese Formel gewöhnt: Wir beginnen jeden Gottesdienst im Namen des dreieinigen Gottes. Wir sprechen ein Glaubensbekenntnis mit „drei Artikeln“. Und wir taufen auch Menschen „auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“, so wie Jesus uns das gelehrt hat (Mt 28,19). Doch unserem Verstand macht das Mühe, denn wir erleben selten zwei oder so drei oder mehr Personen in vollkommener Harmonie. Wir erleben Spannungen in unseren Ehen und in unseren Familien gehen die einzelnen Personen unterschiedliche Wege. „Drei-Einigkeit“ ist etwas Seltenes unter uns Menschen!

Und dann kommt es bei manchen Christen noch zu einer Art Verwirrung: Zu wem soll ich denn nun beten? Wen soll ich ansprechen in meinem Gebet? Zu Gott als Vater beten – wir tun dies im „Vater unser“, doch vielen ist das fremd. Jesus persönlich anzusprechen – da haben manche Christen ihre Hemmungen. Und zum Heiligen Geist – darf man da beten?

Die Frage nach der Dreieinigkeit Gottes lässt sich nicht rational, philosophisch oder intellektuell lösen. An der passenden Formel haben sich schon die frühen Kirchenväter versucht, aber Gott passt in keine Formel!

Martin Luther hat gesagt: „Ich höre, dass ein Gott ist und drei Personen. Wie das zugeht, das weiß ich nicht. Ich will glauben.“ Und sein reformatorischer Mitstreiter Philipp Melanchton erklärte treffend: „Die Geheimnisse der Gottheit sollten lieber angebetet als erforscht werden.“

Mir ist ein Aspekt beim Thema Dreieinigkeit wichtig geworden: Gott ist in sich Gemeinschaft. Gott lebt in Beziehung zu sich selbst. Gott ist nicht der große Einsame – irgendwo im fernen Weltall. Aus der vollkommenen Harmonie von Vater, Sohn und Heiligem Geist entstand die gesamte Schöpfung: Gott sprach und es wurde. Er sandte sein Wort, letztlich in Gestalt seines Sohnes. Und er sendet seinen Geist in unsere Herzen, damit wir spüren und ihm nahe sein können.

Wenn wir beten, betreten wir einen unsichtbaren Raum. Gott wartet dort schon auf uns. Das ist eine gute Nachricht für alle, die sich einsam fühlen. Die nicht sicher sind, ob Gott sie versteht. Durch den Heiligen Geist knüpft er an unsere Sinne, an unsere Gedanken und Gefühle, unsere Empfindungen und Vorstellungen. Gottes Geist lässt innere Bilder in uns entstehen. Er legt uns Worte ins Herz, die wir uns selbst nicht sagen können. Er schenkt uns Frieden und Geborgenheit. Es ist der Raum seiner Gegenwart, den wir im Gebet betreten können.

Ich möchte Sie grüßen und segnen mit einem schönen Vers aus dem neuen Testament. Wir finden ihn am Ende vom 2. Korintherbrief (13,13):

„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“

Pfarrer Swen Schönheit

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